Das Bartering (auch: Barter-Clearing) ist eine hervorragende Möglichkeit, Umsätze zu generieren, ohne die Liquidität des eigenen Unternehmens zu gefährden. Im Prinzip handelt es sich bei dieser Form der Geschäftsabwicklung um einen Tauschhandel: Geschäftspartner A braucht ein Produkt oder eine Dienstleistung wie zum Beispiel eine technische Übersetzung oder eine Bedienungsanleitung, verfügt aber nicht über die nötigen finanziellen Mittel. Geschäftspartner B entdeckt im Angebot von Geschäftspartner A etwas, was er seinerseits gut gebrauchen könnte, und schlägt einen Tausch vor.

Nach diesem Muster lassen sich weitaus mehr Geschäfte realisieren, als man glaubt. Gerade im Bereich der Dienstleistungen ergeben sich hierdurch völlig neue Möglichkeiten, die verschlossen bleiben, wenn man sich auf den Gebrauch gesetzlicher Zahlungsmittel beschränkt. Die gedankliche Hürde, die hierbei übersprungen werden muss, ist jedoch relativ hoch: Die meisten Menschen des Westens sind es gewohnt, jedem Gegenstand und jeder erbrachten Leistung einen Wert beizumessen. Sich davon zu lösen, ist deshalb nicht einfach. Lässt man althergebrachte Denkweisen jedoch erst einmal hinter sich, wird offenbar, welch gewaltiges Potenzial das Bartering bietet.

Kompensationsgeschäfte münden oft in langfristige Geschäftsbeziehungen

Einzelhändler in Innenstädten kennen diese Situation: Kunden stehen vor dem Schaufenster und betrachten die ausgestellten Waren, machen aber trotz ihres offenkundigen Interesses keine Anstalten, den Laden zu betreten. Der Grund: Sie haben kein ausreichendes Budget zur Verfügung. Durch das Abschließen eines Kompensationsgeschäftes lässt sich dies elegant umgehen. Am Ende profitieren beide Seiten, wobei der Händler noch den zusätzlichen Vorteil hat, dass er den Geschäftspartner ab sofort zu seinem Kundenkreis zählen kann. Verfügt dieser irgendwann wieder über genügend Geldmittel, wendet er sich mit ziemlicher Sicherheit erneut an den Händler, mit dem er zuvor bereits zu tun hatte.

Internet-Tauschbörsen bringen Menschen in aller Welt zusammen

Internet-Tauschplattformen zählen nicht umsonst zu den meistbesuchten Webseiten. Per Mausklick kann man innerhalb von Sekunden jemanden finden, der Interesse an den eigenen Produkten oder Dienstleistungen hat. Häufig geht es dabei nicht um Gebrauchsgegenstände wie Küchengeräte oder Kinderspielzeug, sondern um Tätigkeiten, von denen man einen konkreten Nutzen hat. Beispiele sind das Schneiden von Hecken, Babysitten oder das Durchführen von Schönheitsreparaturen bei Umzügen. Manche Tauschbörsen verfügen über mehr als 500 Kategorien, in denen man von der Hörspielkassette bis zum Champions-League-Ticket nahezu alles finden kann, was auch auf regulären Handelsplattformen angeboten wird.

Es fehlt an Rechtssicherheit

Ein Problem, das sich beim Bartering zwangsläufig ergibt, ist die Handhabung der Gewährleistung. Weist das gelieferte Produkt einen Mangel auf, kann dieser zwar reklamiert werden – ob man einen angemessenen Ersatz bekommt, ist jedoch unsicher, zumal der Geschäftspartner in vielen Fällen nicht liquide ist. In der Schweiz gibt es bisher keine gesetzliche Grundlage, auf der getauschte Leistungen und Produkte gegeneinander aufgerechnet werden können. In Deutschland gibt es im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) zwar Bestimmungen zum Tausch, die aber nur mit Einschränkungen anwendbar sind.