Für das neue Begegnungsquartier im Berner Burgfeld plant die Stadtverwaltung Maßnahmen, die bei den meisten Bewohnern auf Zustimmung stoßen. Im gesamten Gebiet wird künftig eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 20 Stundenkilometern gelten. Spiel- und Aufenthaltsflächen sollen mit grünen Gitternetzlinien gekennzeichnet werden. Sechs Zoneneingänge werden mit entsprechenden Verkehrsschildern markiert; zudem werden zur Beruhigung des Verkehrs Blumentröge aufgestellt. Die Stadt will dafür insgesamt 95.000 Franken bereitstellen.

Mit der Einrichtung der Begegnungszone wird die Forderung des Stadtrats erfüllt, die Situation für Kinder zu verbessern. Derzeit gibt es nur wenige Spielmöglichkeiten, sodass Eltern gezwungen sind, weit entfernte Spielplätze aufzusuchen. Ein weiteres Problem sind die fehlenden Trottoirs: Etliche Hauseingänge führen direkt auf die Straße. Eine Verkehrsberuhigung wird von den Anwohnern daher seit Langem gefordert.

Die Verkehrssituation im Burgfeld ist seit jeher problematisch

Die verzweigten Straßen im Burgfeld sind für Autofahrer schlecht einsehbar, sodass spielende Kinder häufig erst in letzter Sekunde bemerkt werden. Da es momentan nur ein Tempo 50-Limit gibt, ist das Risiko eines schweren Unfalls enorm hoch. Bei einer Vollbremsung ist die Zeit bis zum Anhalten ungleich länger als bei Geschwindigkeiten unterhalb von 20 Stundenkilometern. Durch die Begegnungszone werde das Quartier für Fußgänger sicherer, so die Befürworter des Projekts.

Lokale Unternehmen sehen die Pläne mit Sorge

Im Burgfeld gibt es eine Reihe kleiner und mittelständischer Firmen, die auf die Verkehrswege angewiesen sind. Vielen der Unternehmen gehen die Pläne der Verantwortlichen zu weit. Sie weisen darauf hin, dass es schon jetzt schwer sei, mit dem Auto ins Quartier zu gelangen. Durch weitere Verkehrsbehinderungen werde es noch mühsamer, den Weg zu den Betrieben zu finden. Am Ende werde aus dem Quartier ein Museum, in dem kein Unternehmen überleben könne.

Bereits vor einiger Zeit hat die Stadt begonnen, Wohnquartiere in fußgängerfreundliche Begegnungszonen umzuwandeln. Derzeit gibt es in Bern 82 kleinere Zonen, in denen für Fahrzeuge Tempo 20 gilt. Neben dem Burgfeld sind im Breitfeld sowie im Obstberg zwei weitere Zonen geplant.

Die Mehrheit der Schweizer wünscht sich innerstädtische Tempolimits

Gäbe es morgen eine Abstimmung, würden sich die meisten Schweizer für eine innerstädtische
Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer entscheiden. In einer Umfrage der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) gaben 48 Prozent der Teilnehmer an, sie würden ein generelles Tempolimit in Ortschaften begrüßen. Nur auf Hauptverkehrsadern solle weiterhin Tempo 50 gelten. Im Jahr 2002 lag der Anteil der Befürworter noch bei 39 Prozent.

Bei der Untersuchung wurden mehr als 1000 Personen aller gesellschaftlichen Gruppen befragt. Interessanterweise zeigte sich bei der Umfrage, dass die Zustimmung bei Frauen und Personen mit hohen Bildungsabschlüssen besonders groß ist. Rund zwei Drittel aller Befragten glauben, dass durch die Einrichtung von Tempo-30-Zonen das Unfallrisiko gesenkt werden kann.